MSc Pharmacy: Clinical Trainings

Um den Studierenden im Masterstudiengang Pharmazie an der ETH Zürich unsere Vorlesungsreihe «Clinical Trainings» trotz des Pandemiegeschehens anbieten zu können, wurden anstelle von Patientenkontakt Simulationstrainings mit Schauspielern entwickelt. Dazu wurde ein Pool an Profischauspielern ausgebildet. Diese simulierten den Pharmaziestudierenden unter Anleitung der Dozierenden und zusätzlichen Ärzten akute Situationen wie sie in einer öffentlichen Apotheke auftreten könnten. Die Trainingseinheiten wurden, abhängig vom aktuellen Infektionsgeschehen der Pandemie, entweder in grösseren Hörsälen unter Hygienerichtlinien (HS20) oder online in Zoom Meetings (FS21) durchgeführt.

Schauspielerin Clinical Training
Schauspielerin Clinical Training

Umsetzung der Lehrveranstaltung während der Zeit der Distanzlehre

Hauptziel war ein realitätsnahes Training und Üben eigener Kommunikationskompetenzen und des Notfallmanagements in sicherem Umfeld. Die Studierenden mussten aktiv Akutsituationen von Atemnot und Bauchbeschwerden in einer öffentlichen Apotheke lösen, indem sie die Schauspieler gezielt befragten und anschliessend triagierten.

Die Trainingseinheiten wurden bewusst anders gestaltet als aus dem Medizinstudium bekannte Schauspielereinheiten. Es wurde grösster Wert auf Kommunikationskompetenzen gelegt. Sowohl Studierende und Dozierende konnten die Schauspieler jederzeit stoppen, indem das Wort «freeze» via Mikrofon oder Chatfunktion genutzt wurde. So konnte die Simulation kurzzeitig verlassen werden, um Fachentscheide und Kommunikationsstil zu besprechen. Nach jeder Einheit wurden Studierende und Schauspieler aufgefordert, sich gegenseitig Feedback zu geben. Dabei wurde gefördert, dass Empfindungen und Irritationen mitgeteilt und diskutiert wurden. Die so erreichte Ehrlichkeit wurde zuvor mit echten Patienten nicht erreicht, und zeigte uns die Vorteile von Schauspielern auf.

Da wir mit dieser Unterrichtsform im Pharmaziestudium an der ETH Zürich Neuland betraten, führten wir Studierendenevaluationen durch. Diese Evaluationen wurden unabhängig vom KITE Award statistisch ausgewertet, um den Lerneffekt zu untersuchen. Daraus entstanden ein Abstract und ein wissenschaftliches Manuskript, welche die Chancen dieser Unterrichtsform besprechen. Was uns erstaunte: Die Auswertungen zeigten trotz Distanzlehre eine deutliche Zunahme in den selbsteingeschätzten Kompetenzen im pharmazeutischen Notfallmanagement. Die Pandemie hat so zwangsläufig zu einer Innovation in unserer pharmazeutischen Lehre geführt.

Enlarged view: Graph
Veränderungen des Selbstvertrauens der Studierenden vor und nach dem Unterricht auf 7-Punkte-Likert-Skalen. N = 30

Kursbeschreibung

Gesamtkonzept ihrer Lehrveranstaltung vor der Pandemie –während –danach

Die Vorlesungsreihe «Clinical Trainings» ist seit sechs Jahren Teil des Pharmazie-Curriculums der ETH Zürich. In Zusammenarbeit mit der Abteilung für Lehrentwicklung und -technologie (LET) wurde mit Entwicklung dieser Vorlesungsreihe bereits vor der COVID-19 Pandemie versucht, Pharmaziestudierende vermehrt in Kontakt mit Patienten und Spitalstrukturen zu bringen. Ziel der Vorlesungsreihe ist es, praxisnahe Einblicke und realitätsnahes Training mit echten Patienten anzubieten. Dieses Modell mit vier individuellen Trainingseinheiten hatte sich bewährt.

Aufgrund der COVID-19 Pandemie konnte dieses Konzept praktisch über Nacht nicht mehr angeboten werden. Patienten mussten durch Schauspieler ersetzt werden und die Trainingseinheiten wurden mit Fortschreiten der Pandemie zuerst in grossen Hörsälen und dann gänzlich online via Zoom angeboten. Während der Trainingseinheit wurden vier Studierende für eine direkte Simulation mit den Schauspielern ausgewählt, während ihre Mitstudierenden beobachteten und unterstützten.

Die Studierenden mussten akute Krankheitsbilder, wie sie in einer öffentlichen Apotheke vorkommen könnten, selbstständig triagieren und dabei ihr Wissen anwenden. Zwei Leitende Ärzte moderierten die Fragen der Studierenden. Die Trainingseinheit konzentrierte sich auf eine schnelle Entscheidungsfindung bezüglich pharmazeutischer Betreuung und Pharmakotherapie, legte aber gleichzeitig einen starken Fokus auf Kommunikationsstile und Feedback.

Für die Zukunft werden wir wieder auf die etablierten Kollaborationen mit Schweizer Spitälern zurückgreifen: Nebst Vorteilen von physisch anwesender Lehre wie auch der Möglichkeit zum Training von non-verbaler Kommunikation erhalten die Studierenden beim Besuch der Institutionen einen weiteren Einblick in Spitalstrukturen. Die expliziten Vorteile des Arbeitens mit Schauspielern motiviert aber, diese Art des Simulationstrainings beizubehalten.

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