Wie geht’s den Studierenden und dem Mittelbau 2024?

Zum zweiten Mal führte der Verband der Studierenden an der ETH (VSETH) die Umfrage «wiegETHs» durch. Dank der Zusammenarbeit mit der Akademische Vereinigung des Mittelbaus der ETH Zürich (AVETH) beteiligten sich neben den Studierenden auch wissenschaftliche Mitarbeitende. 10 823 Personen gaben Auskunft zu Studien- und Arbeitsbedingungen sowie ihrem psychischen Wohlbefinden. Jetzt liegen erste Ergebnisse vor.

ETH Vorlesungssaal gefüllt mit Studierenden.

In Kürze

  • Studierende an der ETH Zürich sehen mehr Sinn und Freude im Studium als noch 2019 und haben mehr Freizeit.
  • Drei Viertel der Studierenden befinden sich in einer guten bis sehr guten psychischen Verfassung bei einer leichten Verschlechterung gegenüber der ersten Umfrage.
  • Im akademischen Mittelbau sind Betreuung und diskriminierendes Verhalten ein Thema, das die Teilnehmenden beschäftigt.
  • Die Bekanntheit der Kontaktstellen für Betroffene war vor fünf Jahren höher.

Die ETH bietet ihren Studierenden nach wie vor ein motivierendes und unterstützendes Umfeld – das zeigt die Umfrage «wiegETHs», an der sich 40,8 Prozent der Studierenden und des akademischen Mittelbaus beteiligt haben. Zuletzt wurde die Umfrage 2019 durchgeführt, allerdings nur unter den Studierenden. Im Vergleich zu damals haben sie mehr Freude an ihrem Studium und scheinen, mit der Arbeitsbelastung besser umgehen zu können. Diese war 2019 ein kritisches Thema. Laut aktueller Umfrage berichten 64 Prozent, dass sie gut mit dem Studiendruck umgehen können, und die Studierenden legen mehr Wert auf ihre Freizeit.

Psychische Gesundheit bleibt stabil

Trotzdem hat sich das psychische Wohlbefinden der Studierenden leicht verschlechtert. Waren es 2019 noch 77 %, die ihren Zustand als «eher gut» bis «sehr gut» einschätzten, sind es aktuell immerhin noch 74 Prozent. Die häufigsten Beschwerden sind Angst, Schlafprobleme und geringes Selbstwertgefühl sowie depressive Erscheinungen, Erschöpfung und Hoffnungslosigkeit.

Laut dem externe Seite Bericht des schweizerischen Gesundheitsobservatoriums von 2023 ist in der Schweizer Allgemeinbevölkerung im Alter von 15 bis 24 Jahren eine ähnliche Verschlechterung der psychischen Gesundheit zu beobachten. Dass es sich bei Studierenden um eine vulnerable Gruppe in Bezug auf die psychische Gesundheit handelt, belegt auch das Bundesamt für Statistik (BfS) in regelmässigen Erhebungen. Seine externe Seite Befragung 2020 ergab, dass knapp ein Viertel der Studierenden unter mittleren bis schweren Depressionen leidet und 83 % fühlen sich von mentalen Problemen betroffen. Vor diesem Hintergrund sind die Ergebnisse der wiegETHs-Umfrage positiv zu bewerten.

Gute Arbeitsbedingungen, Herausforderungen mit Konfliktbewältigung

Zum ersten Mal wurde in diesem Jahr auch der akademische Mittelbau in die Umfrage mit einbezogen. Insgesamt scheinen die meisten wissenschaftlichen Mitarbeitenden mit ihren Arbeitsbedingungen zufrieden zu sein. Laut Umfrage haben sie jedoch eine mittlere bis starke psychische Belastung. 21 Prozent der Befragten, die meist über befristete Arbeitsverträge verfügen, geben an, Angst vor Arbeitslosigkeit zu haben und 29 Prozent empfinden die Suche nach einer neuen Anstellung als schwierig.

«Die jüngsten Reglemente zu unangemessenem Verhalten und Arbeitsplatzkonflikten sind ein Schritt in die richtige Richtung.»
Lorin Schöni, AVETH-Vorstandsmitglied

Auffallend ist, dass insbesondere Doktorierende eine signifikant höhere psychische Belastung und Unzufriedenheit mit der Konfliktbewältigung aufweisen. «Die jüngsten Reglemente zu unangemessenem Verhalten und Arbeitsplatzkonflikten sind ein Schritt in die richtige Richtung», sagt Lorin Schöni, Vorstandsmitglied des AVETH fügt aber hinzu, dass klarere Massnahmen zur Unterstützung Betroffener und eine effektivere Durchsetzung der Regelung die Arbeitsbedingungen weiter verbessern könnten. Neben der Konfliktbewältigung ist die Hälfte des akademischen Mittelbaus unzufrieden mit der Arbeitsaufteilung. Das Verhältnis zum Vorgesetzten ist laut Umfrage allerdings gut, und 89 Prozent gaben an, dass die Atmosphäre zwischen den Kolleg:innen oft oder sogar immer gut ist.

Geringe Diskriminierungsrate mit Machtgefälle

Die Umfrage-Ergebnisse deuten darauf hin, dass wissenschaftliches Personal häufiger von Diskriminierung und unangemessenem Verhalten betroffen ist als Bachelor- und Masterstudierende. Obwohl 73 Prozent der Befragten angaben, noch nie Diskriminierung an der ETH Zürich erlebt zu haben, geben 29 Prozent an, dies schon einmal beobachtet zu haben. Das am häufigsten auftretende Fehlverhalten sei verbale Belästigung gefolgt von sozialer Ausgrenzung und ungerechtfertigter Kritik, insbesondere durch Personen mit „hoher institutioneller Macht“. Die Wahrscheinlichkeit für diskriminierendes Verhalten sei bei ihnen acht Mal höher als bei jenen mit niedriger institutioneller Macht.

Verwundbare Gruppen brauchen besonderen Schutz

Doktorierende berichten auch häufiger von psychischen Belastungen als Bachelor- und Masterstudierende. Auch Frauen, Personen mit Behinderungen und Menschen mit anderen kulturellen Hintergründen schätzen ihr psychisches Wohlbefinden und häufiger schlechter ein. Besonders stark betroffen von Diskriminierung und psychischer Belastung sind aber nicht-cisgeschlechtliche Personen.

«Die ETH Zürich sollte bestehende Geschlechternormen oder die Heteronormativität weiter erforschen und hinterfragen.»
Vivianne Hanke, VSETH-Vorstandsmitglied

«Wenn bei jemandem mehrere Faktoren zusammenkommen, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass diese Person unter Diskriminierung und psychischer Belastung leidet», sagt Lorin Schöni. Der Bericht postuliert, dass die besonders vulnerablen Gruppen im Zentrum stehen müssen, wenn Instrumente und Dienstleistungen zur Förderung des Wohlbefindens weiterentwickelt werden.

Laut Umfrage haben über 60 Prozent der Studierenden keine Bedenken, ihre sexuelle Orientierung auszudrücken. «Allerdings sollte die ETH Zürich bestehende Geschlechternormen oder die Heteronormativität weiter erforschen und hinterfragen», gibt Vivianne Hanke, Vorstandsmitglied des VSETH, zu bedenken.

Bekanntheit der Anlaufstellen stärken

Um Studierende und ETH-Angehörige in schwierigen Situationen zu unterstützen, bietet die ETH Zürich diverse Beratungsstellen. Unter den Studierenden ist vor allem externe Seite Nightline bekannt, wobei die Bekanntheit anderer Angebote wie PBS oder ETH Respekt variiert. Laut Umfrage hat sie seit 2019 deutlich abgenommen. «Deswegen muss innerhalb der ETH Zürich weiterhin für das Thema sensibilisiert werden.

Wichtig wäre, dass die Beratungsstellen ihr niedrigschwelliges Angebot weiter ausbauen und enger zusammenarbeiten», regt Vivianne Hanke an. Für die ETH Zürich hat die psychische Gesundheit der Mitarbeitenden und Studierenden höchste Priorität. Deswegen wird es weiterhin wichtig sein, Studierende und ETH-Angehörige zu ermutigen, psychische Probleme anzusprechen und angstfrei damit umzugehen. Durch die Förderung eines angemessenen Umfelds kann die ETH Zürich Studierende und Angehörige befähigen, Schwierigkeiten zu überwinden und erfolgreich zu sein. Dazu steht das Rektorat in engem Austausch mit VSETH und AVETH.

Die vorliegenden Resultate sind dem Zwischenbericht der wiegETHs-Umfrage entnommen.

Nightline – Beratungsstelle für Studierende

Nightline Zürich ist eine unabhängige Anlaufstelle von Studierenden für Studierende im Raum Zürich. Sie bietet einen vertraulichen und anonymen Zuhör- und Informationsdienst. Er ist täglich zwischen 20 und 24 Uhr unter 044 633 77 77 oder jederzeit über das externe Seite Onlineformular erreichbar.

Anlaufstellen für ETH-Angehörige

Mitarbeitende der ETH Zürich finden die Kontaktstellen zur Hilfe bei unangemessenem Verhalten im Staffnet. Die psychologische Beratungsstelle ist zu erreichen unter 044 634 22 80 oder externe Seite hier.

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