Die echte Debatte beginnt jetzt
Ecopop thematisierte die grösste Herausforderung unserer Zeit – die Grenzen des Bevölkerungswachstums und der Ressourcen – auf der Basis eines ungeeigneten Lösungsansatzes. Nun ist die Initiative an der Urne gescheitert. Die eigentliche Problematik bleibt jedoch bestehen. Wir müssen uns dieser Herausforderung stellen – und jetzt damit beginnen.
Am letzten Wochenende haben wir über die Volksinitiative «Stopp der Überbevölkerung – zur Sicherung der natürlichen Lebensgrundlagen» – kurz Ecopop – abgestimmt. Die Initiative wollte das Wachstum der Schweizer Bevölkerung auf 0,2 Prozent beschränken und 10 Prozent der Entwicklungshilfe-Gelder dafür investieren, das Bevölkerungswachstum in Entwicklungsländern zu beschränken. Die Ablehnung der Initiative wurde in weiten Kreisen mit grosser Erleichterung aufgenommen. Doch das Thema ist zu ernst und drängend, um einfach wieder zur Tagesordnung überzugehen. Jetzt muss eine echte Debatte beginnen.
Die Grenzen des Wachstums
In der Wissenschaft gibt es einen breiten Konsens, dass wir in wenigen Jahrzehnten an die Grenzen des Bevölkerungswachstums und Umweltverbrauchs stossen werden [z.B. 1]. Der berühmte Bericht des Club of Rome zu den «Grenzen des Wachstums» hat anfangs der 1970er Jahre einen «globalen Kollaps» aufgrund von Ressourcenknappheit für die Mitte des 21. Jahrhunderts vorhergesagt [2]. Die Daten der letzten 40 Jahre zeigen, dass wir uns seither auf dem projizierten Weg bewegen [3]. Befürchtet wird, dass eine Verknappung von Ressourcen zu einer Kaskade von Krisen führen wird, welche sich gegenseitig verstärken werden [4]. Sind die leicht zugänglichen Energie-Reserven aufgebraucht, erschwert dies die Bereitstellung von neuen Energiequellen, Nahrungsmittel werden knapp, und soziale Konflikte verstärken sich.
Es besteht also wissenschaftlich kein Zweifel, dass die Problemanalyse der Ecopop-Initianten korrekt war. Genauso wenig bestehen aber Zweifel, dass die vorgeschlagenen Lösungen fundamental falsch waren: Mauern werden uns nicht vor den wachsenden globalen Problemen schützen.
Es gibt keine einfachen Lösungen
Wir werden die globalen Umweltprobleme nicht einfach durch eine Reduktion der Bevölkerung lösen können. Die Zeit, die uns bleibt, ist zu kurz, und das Bevölkerungswachstum ist träge wie ein Ozeandampfer, den man nicht auf Knopfdruck stoppen kann. Würden wir ab heute global eine Ein-Kind-pro-Familie-Politik umsetzen, wie sie China testete, sagen Bevölkerungswachstums-Modelle trotzdem bis zu 10 Milliarden Menschen bis 2100 voraus [5]. Man kann argumentieren, dass die Lösung deshalb ein geringerer Ressourcenverbrauch pro Person und ein Umstieg auf erneuerbare Energien wäre. Hier besteht tatsächlich Spielraum. Das grundsätzliche Problem aber bleibt: Die Gesellschafts- und Umwelt-Systeme sind träge und miteinander vernetzt.
Es wird deshalb ein fundamentaler Umbau der Gesellschaft nötig sein, der mit nichts vergleichbar ist, das wir kennen. Mitte November hat der Stakeholder-Dialog zur Erneuerung der Strategie Nachhaltige Entwicklung des Bundesrats begonnen. Vernehmlassungsverfahren stehen für die demokratische Kultur der Schweiz. Es ist zu hoffen, dass sie auch ein geeignetes Instrument sind, radikalen gesellschaftlichen Wandel zu ermöglichen.
Abschotten oder mitgestalten?
In den letzten Monaten hat unter Nachhaltigkeitswissenschaftlern ein Gedankenexperiment für Diskussionen gesorgt. Es zeigt auf, dass in einer Gesellschaft mit ungerechter Verteilung des Reichtums ein globaler Kollaps schwieriger abzuwenden ist als in einer gerechten [6]. Der Grund ist, dass in einer ungerechten Gesellschaft die reichen Eliten (wie wir Schweizer), die am meisten Ressourcen verbrauchen und dabei den grössten Handlungsspielraum für Lösungen hätten, die negativen Folgen des beginnenden Kollaps noch einige Jahre auf Kosten der Armen aufschieben können. Daher spüren sie die schmerzhaften Folgen erst, wenn es zu spät ist.
Die Ecopop-Initiative stellt uns vor unbequeme Fragen: Wollen wir in den kommenden Jahrzehnten der Transformation der Menschheit – ob gelenkt oder durch einen Kollaps erzwungen – unsere Energie darauf verwenden, um unseren beschaulichen Lebensstil noch einige zusätzliche Jahre aufrechtzuerhalten? Oder glauben wir noch an die humanistische Tradition der Schweiz, und nutzen unsere Stellung als Knotenpunkt der internationalen Ökonomie, Politik und Wissenschaft, um die Zukunft der Menschheit verantwortungsvoll mitzugestalten?
Weiterführende Informationen
[1] Eine Deklaration, die derzeit von Wissenschaftlern weltweit unterschrieben wird, kommt denn auch zum Schluss: «By the time today’s children reach middle age, it is extremely likely that Earth’s life-support systems, critical for human prosperity and existence, will be irretrievably damaged by the magnitude, global extent, and combination of these human-caused environmental stressors, unless we take concrete, immediate actions to ensure a sustainable, high-quality future», siehe externe Seite consensus for action
[2] Siehe die Webseite vom externe Seite Club of Rome, welcher in Winterthur beheimatet ist
[3] Turner, G.M. 2012 On the cusp of global collapse? Updated comparison of The Limits to Growth with historical data. Gaia 21, 116-124.
[4] Auf Englisch wird von einem «perfect storm» gesprochen, zum externe Seite Beispiel
[5] Bradshaw, C.J. & Brook, B.W. 2014 Human population reduction is not a quick fix for environmental problems. Proceedings of the National Academy of Sciences, 201410465.
[6] Motesharrei, S., Rivas, J. & Kalnay, E. 2014 Human and Nature Dynamics (HANDY): Modeling inequality and use of resources in the collapse or sustainability of societies. Ecological Economics 101, 90-102.
Kommentare
(Fortsetzung) Das Ganze ist aber zugegebenermaßen mehr auf Kante genäht als ich dachte. Energie aus dem erdnahen Raum, per Mikrowelle oder Weltraumkabel übertragen (vgl. NASA-Pläne zum Weltraumaufzug, welcher aber diamantene C-Nanoröhren benötigt), könnte da etwas Luft schaffen. Natürlich bliebe keine Natur übrig. Zu Bedenken gebe ich allerdings, dass meiner Überzeugung nach vor 150 Jahren viele Wissenschaftler und Gelehrte angebliche 7 Mia. Menschen für schwer vorstellbar gehalten hätten in menschheitsgeschichtlich naher Zukunft.
und ja 7 Milliarden und eine Milliarde mit gewissem Wohlstand.. und schon sind wir deutlich im Overshoot dank Oel etc
Herr Dittmar, sehr schöne Idee! Es macht wahrlich Spaß mit Ihnen zu diskutieren. Auch ein Blog-Eintrag zur carrying capacity würde mich sehr interessieren. Mein Ansatz wäre der folgende: Ich nehme an, wir bräuchten nur sehr beschränkt Natur. Sagen wir, wir züchten unsere Nahrung aus Zellkulturen und schürfen Spurenelemente per Bergbau oder Filterung aus Klärschlamm und Friedhofserde. Ferner erzeugen wir freien Sauerstoff und destillieren H2O. Ich würde bei einem Energiebedarf von 100 W pro Mensch eine Leistung von 10 kW für all diese Aufgaben für ausreichend ansehen (Wirkungsgrad 1%). Dann nehmen wir 10 kW für Wärme, Transport, Pflege, Medizin und Konsum hinzu. Das ist mehr als der Gesamtenergieverbrauch eines US-Bürgers heute. {Off-Topic: In einigen 10^2 Jahren nach heute brauchen wir auf der Unterhaltungs- und Arbeitsseite vielleicht nur eine virtuelle Umgebung, Individualtransport ist dann womöglich nicht mehr nötig; Güter werden zumindest heute ja effizienter transportiert als Personen}. Zusammen also 20 kW/Person. Gehen wir von Solarzellen mit 20% Wirkungsgrad aus (zumal ein Teil, namentlich Wärmeenergie und Licht für Algen/Bakterienzüchtung ja zu 100% von der Sonne kommen kann): Dann ist eine Fläche notwendig von rund 400 m^2 je Person. Rechnen wir mal großzügig 500 m^2 pro Person, dann kommen wir auf 1,02 Bio. Menschen.
Martin, sehe deine letzten Kommentare/ Fragen/ Antworten erst jetzt. (11. Dezember 2014 14:09) Ich vermute du hast irgend etwas an meinem Paper falsch verstanden. Ich schlage eigentlich gar nichts vor und schon gar nicht eine Diktatur a la Kambodscha. Was ich im Papier diskutiert habe ist, wie es anders und nachhaltig (und theoretisch besser) gehen könnte. Besser als was? Als der Kollapse der natürlichen Umwelt, ohne die weder du noch Marchetti noch ich leben können. zu deinem Kommentar 10. Dezember 2014 12:07 "Ohne den angenommenen Ressourcenmangel und die ungenügende Produktion würde die Bevölkerung zunehmen. Folgerung: 1/2 Milliarde Menschen sterben pro Jahrzehnt gewaltsam oder durch verhungern" Der Ressourcenmangel ist real. Schau nur mal die Oelfoerderung in Westeuropa an. Deine Folgerung widerspricht deinen eigenen Ideen. Aber, wenn ich richtig informiert bin, dann hat die 1 Kind Politik in China verbunden mit etlichen anderen Massnahmen (das natürliche Kapital so schnell wie möglich zu zerstören) zu einer rapiden Abnahme des Hungers in China geführt, und rund 150 Millionen weniger Menschen als ohne die 1-Kind Politik.
Hallo Herr Maurer, ok, lassen wir uns versuchen die sogenannte carrying capacity genauer zu definieren und verstehen. Wäre eigentlich etwas was man schon in der Schule oder auf einem eigenen Blog Beitrag mal hier diskutieren sollte. Dazu muss man verschiedene Fragen klären. 1) was ist der mittlere menschliche Impact auf den Planeten heute und morgen. Es erscheint wir sind nicht nur um einen Faktor 1.4 über der Kapazität unseres Planeten (wie uns der Wackernagel et al footprint erklaert) sondern wenn man nur alle nicht erneuerbaren Energiequellen durch "Biomasse etc" ersetzen müsste um mindestens einen Faktor 10 hoeher. 2) welche Lebensbedingungen soll es für die zukünftigen Menschen geben. Eben wie viele Menschen könnten in der kleinen Schweiz gut leben wenn wir uns selber versorgen muessten (ohne Importe heute ernähren wir gerade mal 4 Millionen mit nicht nachhaltiger Landwirtschaft) aber vielleicht versuchen Sie mal die Lebensbedingungen und den Impact aus ihrer Sicht zu definieren (Marchetti jedenfalls hatte die Lebensweise des durchschnittlichen USA Bürgers von 1980 angenommen für 1000 Milliarden Menschen.)
Guten Tag Herr Dittmar, es geht mir um die Behauptung dass 10^12 Menschen auf der Erde leben können. Ich vermute, dass es keine prinzipielle physikalische Gesetze gibt, die dies ausschließen würde. Und die Bevölkerung hat sich in der Vergangenheit ganz und gar nicht in jedem Areal das historische Flächenverhältnis bewahrend entwickelt. Ich vermute dass bei einer Bevölkerung von 10^12 Individuen (die in <10^3 yr von heute ab vorstellbar wäre), vor allem auch ozeanische Wasserflächen besiedelt oder zumindest agrar bewirtschaftet sind. Es geht mir in meinem Diskussionsbeitrag hier um die Frage prinzipieller Grenzen - ob der kulturelle und politische Weg dahin führt bleibt abzuwarten.
Jeder vernünftige Mensch will eine Stabilisierung der menschlichen Gesamtpopulation. Massnahmen wie in China waren für China wohl gut, sind aber nur in China durchsetzbar. Auch ohne Zwangsmassnahmen wird die Weltbevölkerung irgendwann zu schrumpfen beginnen, ganz einfach, weil alle Länder letztlich dem Modell der schon industrialisierten folgen und dort die Bevölkerung schon schrumpft. Vorübergehend kann es schon eng werden auf der Erde, aber es muss keine Katastrophe geben, weil die Fähigkeiten zunehmen solche Menschenmassen mit einem minimalen Einsatz von Ressourcen zu versorgen. Tatsache ist, dass die Effizienz auf fast allen Gebieten zugenommen hat, auch in der Landwirtschaft. Nur schon gegenüber den 1960er Jahren ist der landwirtschaftliche Ertrag pro Fläche deutlich gestiegen. Nur wer annimmt, die "Limits to Growth" seien schon überschritten oder schon bald überschritten, der kommt zum Schluss, dass eine Katastrophe naht. Der IPCC geht aber davon aus, dass es viel zuviel Kohle, Öl und Erdgas hat und nicht zuwenig. Wir landen mit ziemlicher Sicherheit in einer wärmeren Welt. In einer wärmeren Welt in der es immer noch genügend Ressourcen gibt.
Guten Tag! Interessante Diskussion. Warum widerspricht Marchetti den Grunderkenntnissen der Physik? Dazu würde ich gern genauere Details (am Besten eine Überschlagsrechnung) wissen, falls möglich. Ich hatte das Vergnügen, einen Vortrag eine mathematisch recht bewanderten Ökonoms zu lauschen. Darin legte er dar, dass Wachstum in der Sicht auf die Vergangenheit exponentiell möglich war, und zwar vor allem wegen des technischen Fortschritts - dieser erlaubt heute die Produktion ein- und desselben Guts mit beidem, niedrigerem Ressourcen- und (!) Energieeinsatz (letzteres u.a. wegen der Effizienzvorteile z.B. der Massenfertigung). Natürlich hat sich zudem der Güter-Output exponentiell erhöht. Seinen referenzierten Angaben zufolge belief sich der technische Fortschritt auf relativ konstante 2% pro Jahr seit 1900. Selbst wenn man davon ausgeht, dass irgendwann Effizienzvorteile durch Innovation auf reiner Informationsebene an natürliche Grenzen stoßen und somit mehr Energie für Wachstum notwendig sein wird (wobei seinen Worten zufolge der Güter-Output ja auch stetig bei gleichbleibendem Ressourceneinsatz gestiegen wäre, nur etwas weniger schnell), selbst dann bieten Energiequellen wie die Sonne und Kernfusion (und die Entropiesenke Weltraum) dafür noch unglaubliche Spielräume. Warum also nicht 1 Bio. Menschen?
Guten Tag Herr Maurer, Marchetti hat viele Sachen behauptet. Welche genau meinen Sie. Was Kernfusion auf der Erde betrifft, (mein peer reviewed (.. dann muss es ja stimmen smile) paper erklärt, warum wir schon heute wissen, dass Kernfusion auf der Erde, ausser in Bomben, immer 50 Jahre in der Zukunft liegt. http://ihp-lx2.ethz.ch/energy21/science.pdf Leute, die viel Mathematik kennen, sind eigentlich nicht unbedingt ein Argument für irgend etwas. Aber, mal ehrlich 1000 Milliarden Menschen, die alle so leben sollen wie die Amerikaner 1980, war die Aussage von Marchetti, also rund 140 mal mehr als heute? Statt 8 Millionen in der Schweiz also 1 Milliarde? Glauben Sie das wirklich?
@Michael Dittmar 10. Dezember 2014 22:08 Die Technologie muss Eigenschaften annehmen, die wir heute nur beim Leben finden, nur so ist sie nachhaltig und kann viele Milliarden von Menschen über viele tausende von Jahren am Leben und im Wohlstand halten. Technologie muss also das cradle-to-cradle-Prinzip implementieren. Letztlich geht es mir beim Verweis auf Cesare Marchetti nur darum, dass er der erste war, der erkannte,dass bei Einhaltung dieses Prinzips auch mehr Menschen auf diesem Planeten leben können als es in Limits-to-Growth angenommen wird. Limits-to-Growth geht noch davon aus, dass der Mensch ein Parasit der Erde sei. Doch das muss nicht so sein. Was die Natur kann - nämlich den Tod zum Bestandteil des Lebens zu machen - das kann auch die zukünftige Technologie.
Michael, das natürliche Kapital und die Tragefähigkeit der Erde für Menschen ist keine Konstante wie im von Dir verlinkten Dokument http://ihp-lx2.ethz.ch/energy21/sustainabilitypublished.pdf nahegelegt. Der Mensch hat die Tragefähigkeit (Carrying Capacity) der Erde bereits vergrössert durch biologische Zucht von Nutzpflanzen und Nutztieren. Weitere Erhöhungen der Carrying Capacity der Erde sind möglich und Schwächen der heutigen industriellen Zivilisation wie (Zitat) 1) "extraordinary growth .. thanks to cheap and unlimited energy" 2) "Industrial civilization seems to function only during periods of economic growth" 3) "Growth requires cheap/abundant energy" sind keine Naturgesetze. Früher oder später muss es im materiellen Bereich sowieso einen Gleichgewichtszustand geben. Du schlägst als Lösung einen Agrarsozialismus vor, wie ihn die roten Khmer in Kambodscha schon einmal etabliert hatten, also eine Reduktion der menschlichen Zivilisation auf vorwiegend agrarische Tätigkeiten. Zitat: "a sustainable bio-intense (manual labor!) local system: A swiss like vegetable/fruit diet can be achieved with only 100 m^2/person/year! Another 300 m^2 /person/year are required for grains, vegetable oils and farm animals “cows, chicken etc” Heute sind in der Schweiz weniger als 5% der Bevölkerung in der Landwirtschaft tätig. Das wird auch so bleiben ganz unabhängig davon wie die Nahrung produziert und wie die fossilen Energien ersetzt werden.
Michael, du interpretiert Marchettis Essay als technologische Voraussage, ich interpretiere sie als Vorschlag, wie die Ressourcenbasis der Menschheit auf nachhaltige Weise ausgedehnt werden kann. Du schreibst, wir bräuchten: "viel weniger menschlichen Impact als heute. " Ich sage mit Marchetti, der menschliche Impact kann extrem reduziert werden, wenn die Stoffkreisläufe innerhalb der menschlichen Umwelt geschlossen werden. Der Mensch hat die Ressourcenbasis in einigen Bereichen bereits nachhaltig ausgedehnt: 1) Kulturpflanzen und vom Menschen gezüchtete Nutztiere haben Erträge, die ihre natürlichen Vorgänger um ein Vielfaches übersteigen. 2) Einmal angelegte Staudämme für die Enerigeproduktion verändern zwar die Natur, sie können aber, einmal angelegt, nachhaltig Jahrtausende benutzt werden Nun zur nachhaltigen Zukunft: 1) In absehbarer Zukunft kann alle technisch erzeugte Energie nachhaltig erzeugt werden wobei es eher politsche als technische Grenzen zu überwinden gilt. 2) Stoffkreisläufe können geschlossen werden indem man zu Metallen und Stoffen wechselt, die mit wenig Aufwand rezykliert werden können Ich sehe die Grenzen eher im politschen und Verhaltensbereich: Es ist heute noch "billiger" nach dem Wegwerfprinzip zu operieren und sich Ressourcen anzeignen um sie zu verbrauchen. Das heisst aber nicht, dass das immer so bleiben muss und dass eine Hinwendung zur Nachhaltigkeit nur mit einer starken Schrumpfung der Bevölkerung möglich ist.
Martin, leider verwechselst du verschiedene Dinge. Marchetti et al. mit Ideen die den Grunderkenntnissen der Physik widersprechen hat es geschafft die realen Probleme unbeantwortet in den Schubladen verstauben zu lassen. Nun kommen sie mit der Gewalt eines Tsunamis zurück. Die Antworten haben wir nur in der Theorie und wenn überhaupt dann langfristig nur mit viel weniger menschlichen Impact als heute. Der Footprint ist genauso betrügerisch, solange die Nutzung nicht nachhaltiger Ressourcen ignoriert wird. Lies doch noch mal mein peer reviewed und damit published Paper zum Thema: http://ihp-lx2.ethz.ch/energy21/sustainabilitypublished.pdf
@Oliver Schib 8. Dezember 2014 16:42 Sie schreiben: "Allen diskutierten Szenarien ist gemein, *dass sie den Kollaps nicht verhindern*!" Womit sie meinen, selbst bei unbeschränkten Ressourcen und sehr geringer Verschmutzung komme es zum Kollaps. Ich denke jedoch: Falls die Menschheit sich von den natürlichen Kreisläufen abkoppeln kann und lediglich Energie zugeführt werden muss um einen geschlossenen Stoffkreislauf zu betreiben, dann kann es keinen Kollaps geben, denn so genau funktionierte und funktioniert ja das (biologische) Leben auf der Erde bevor es Menschen gab. Die Idee, dass 100%-ige Rezyklierung eine sehr grosse Bevölkerung ermöglicht stammt übrigens von Cesare Marchetti. Er hat sie in seinem Werk " 10^12 - A Check on Earth Carrying Capacity for Man[ http://www.cesaremarchetti.org/archive/scan/MARCHETTI-076.pdfcall_made ] dargelegt.
nur kurz. Mit dem Marchetti habe ich mal vor ein paar Jahren emails ausgetauscht. Er hat behauptet Gas-Kraftwerke wäre nur zu 5% Effizient. Ich habe ihm dann erklärt das moderne Gaskraftwerke sogar 50% und angeblich mehr schaffen. Seine Antwort war: Er ist zu alt um Physik noch mal zu lernen und das war sein letztes email Wort. So viel zu deiner Referenz..
1000 Milliarden Menschen kann man mit Marchettis Version wohl nicht am Leben erhalten, aber für 10 bis 20 Milliarden sollte es reichen. Ohne einen geschlossenen Kreislauf würde die Menschheit bei der heutigen Anzahl von Menschen spätestens nach einigen Jahrhunderten nicht mehr weiterkommen.
@ Martin Holzherr "Womit sie meinen, selbst bei unbeschränkten Ressourcen und sehr geringer Verschmutzung komme es zum Kollaps." Was ich meine ist von untergeordneter Bedeutung. Die Aussage, selbst bei unbeschränkten Ressourcen und sehr geringer Verschmutzung komme es zum Kollaps, wird jedoch von einer umfangreichen quantitativen Untersuchung der globalen Prozesse gestützt. "Falls die Menschheit sich von den natürlichen Kreisläufen abkoppeln kann und lediglich Energie zugeführt werden muss um einen geschlossenen Stoffkreislauf zu betreiben, dann kann es keinen Kollaps geben[...]. Da haben Sie wohl recht. Man beachte das "falls"... "10^12 - A Check on Earth Carrying Capacity for Man" Das Werk ist bekannt. Falls die Gesetzt der Elektrodynamik, Thermodynamik etc. grundlegen falsch sind, ist das sicher möglich. Wollen Sie ernsthaft damit argumentieren?
Ich wurde eben auf dieses Manifest aus Spanien aufmerksam gemacht, welches auch diese Themen anspricht: http://ultimallamadamanifiesto.wordpress.com/el-manifiesto/last-call-the-manifesto-english/call_made
@ Martin Holzherr "Das wäre die grösste Katastrophe, die die Menschheit in den letzten 10'000 Jahren erlebt hat." Sie bringen's auf den Punkt. Warum gehen Sie nicht auf das ein, was ich geschrieben habe?
Das verlinkte Manifest wiederholt Gedankengänge aus der Zeit der Diskussion über Limits to Growth, welche jetzt durch Bücher wie Naomi Kleins "This Changes everything" wiederbelebt werden. Man findet darin die negativ besetzten Stichworte "capitalist lifestyle", "privileged groups", "private profit", "elites" und Sätze wie "We need to construct a new civilization capable of securing the dignity of a huge, and constantly growing, human population (which today comprises more than 7.2 billion) in a world of diminishing resources.". Ein Grundirrtum der hier verbreiteten Denke ist der, dass es so etwas wie die Menschheit gebe, die dann auch noch kollektiv einen anderen neuen Weg einschlagen soll. Und das aufgrund von Erkenntnissen einer westlichen "Denkelite". Dabei ändert sich die Welt permanent: In meiner Kindheit war jeder vierte/fünfte Mensch ein Chinese, in 2100 wird es nur noch jeder 10. ein Chinese, jeder 4. aber ein Afrikaner sein. Exponentielles Wachstum gibt es vielleicht in Indien und Afrika, in Europa schon lange nicht mehr: Die europäische Bevölkerung schrumpft, die Wirtschaft wächst seit den 1970ern!!! nur noch linear wie Irmi Seidel dargelegt hat. Es stimmt zwar, dass wir weiter vom Wachstum träumen, nur gibt es das hier kaum noch. Statt dessen wächst die Bevölkerung durch Immigration. "Wir" (wer ist wir?) können das Wachstum in Indien und Afrika nicht abwürgen, wir können die Entwicklung dort nur etwas moderieren.
@Oliver Schib, 8. Dezember 2014; @ Christoph Küffer Im Verweis [3] der oben aufgeführten "Weiterführenden Informationen": "On the Cusp of Global Collapse? Updated comparision of the Limits to Growth..." (http://www.ingentaconnect.com/content/oekom/gaia/2012/00000021/00000002/art00010?crawler=true ) findet man als Grund für den um 2030 stattfindenden Zivilisationskollaps eine Ressourcenerschöpfung: "Essentially, the collapse in the standard run scenario is caused by resource constraints (Meadows et al. 1972)" Turner sieht eine grosse Übereinstimmung von LtG Standard-Szenario (BAU) und der heutigen Situation und erwartet: "actual industrial output per capita begins to fall precipitously, from about 2015, while pollution from the industrial activity continues to grow." Die steigenden Rohölförderkosten, die sich beispielsweise in steigenden Rohölpreisen niederschlagen, sind für Turner Vorboten des Ouput-Einbruchs. Ab 2030 hat dann der Kollaps voll eingesetzt und es sterben etwa 1/2 Milliarde Menschen pro Dekade (Zitat): "The global population therefore falls, at about half a billion per decade, starting at about 2030." 1/2 Milliarde Tote pro Jahrzehnt: Das wäre die grösste Katastrophe, die die Menschheit in den letzten 10'000 Jahren erlebt hat. Doch einen solchen Ressourcenmangel sehe ich nicht auf uns zukommen. Solche Horrorszenarien kauft dem Autor wohl niemand ab - ausser ein paar Hartgesottenen.
Michael, heute geht es den Menschen so gut wie noch nie in ihrer Geschichte. 10 Millionen Tote durch Hunger pro Jahr sind bei 7 Milliarden Menschen nicht einmal 2 Promille der Menschen, die pro Jahr verhungern. Welchem Tier, das nicht im Zoo lebt, geht es so gut? Zur Aussage: "The global population therefore falls, at about half a billion per decade,.." Dies bedeutet, dass die Bevölkerung abnimmt und zwar um 1/2 Milliarde pro Jahrzehnt. Ohne den angenommenen Ressourcenmangel und die ungenügende Produktion würde die Bevölkerung zunehmen. Folgerung: 1/2 Milliarde Menschen sterben pro Jahrzehnt gewaltsam oder durch verhungern, jedes Jahr also 50 Millionen Verhungerte was mindestens eine Verfünffachung der heutigen Zahlen ist und zudem zu den heutigen Zahlen hinzuaddiert werden muss. Zum Recycling mit Metallen: In einer Recycling-Wirtschaft wird man Stoffe bevorzugen, die einfach rezyklierbar sind, womit man auch den Energiebedarf senkt. Was den 2. Hauptsatz der Thermodynamik angeht: Auch die Biologie, also das Leben, das uns umgibt, muss sich an den 2. Hauptsatz halten: und es funktioniert.
Martin, im Moment sterben jedes Jahr rund 70 Millionen Menschen und davon rund 10 Millionen an Hunger und Hunger-Folgekosten. Das es heute nur noch ein System in unserer globalen vernetzten Welt praktisch gibt, sind 10 Millionen mehr als jedes Jahr im 2. Weltkrieg pro Jahr. Aber die Aussage mit 1/2 Milliarde alle 10 Jahre ist wohl nicht ganz richtig zitiert. Vermutlich wollte der Author wohl sagen "zusaetzlich .." Aber noch mal ne Frage: dein Recycling von Metallen.. wie viel Energie braucht das und ja, so weit ich gehört habe ist die Qualität von Kreislauf wie du ihn propagierst existiert ohne Energie überhaupt niemals! (2. Hauptsatz der Thermodynamik!)
@ Oliver Schib 6. Dezember 2014 09:57 Die zentralen Schlussfolgerungen von Limits to Growth sind korrekt: "Wenn die gegenwärtige Zunahme der Weltbevölkerung, der Industrialisierung, der Umweltverschmutzung, der Nahrungsmittelproduktion und der Ausbeutung von natürlichen Rohstoffen unverändert anhält, werden die absoluten Wachstumsgrenzen auf der Erde im Laufe der nächsten hundert Jahre erreicht." Die Wachstumsgrenzen werden aber nicht überschritten, denn das prozentuale Bevölkerungswachstum hat schon in den 1960er Jahren seinen Höhepunkt überschritten und Europas, Chinas, Russlands und Japans Bevölkerung wird in diesem Jarhhundert schrumpfen. Die Nahrungsmittelproduktion würde heute für 11 Milliarden Normalgewichtige ausreichen und die Umweltverschutzung ist relativ zur Güterproduktion stark zurückgegangen. Technologien von heute und morgen machen es möglich, Verschmutzung und Emissionen praktisch auf Null zu reduzieren und geschlossene Kreisläufe werden im steady-state die immer gleichen Rohstoffe rezyklieren ohne dass neue ausgebeutet werden müssen. Die Autoren von Limits to Growth nahmmen noch an, industrielle Tätigkeit sei inhärent ein extraktiver Prozess und es müsse immer mehr Eisen, Chrom etc. gefördert werden um die Industrie am Laufen zu halten. Das ist falsch, denn diese Stoffe können rezykliert werden und immer währendes Wachstum ist nicht nötig, denn Bedarf und Nachfrage enden in der Sättigung.
@ Martin Holzherr "Technologien von heute und morgen machen es möglich, Verschmutzung und Emissionen praktisch auf Null zu reduzieren und geschlossene Kreisläufe werden im steady-state die immer gleichen Rohstoffe rezyklieren ohne dass neue ausgebeutet werden müssen." Selbst wenn diese überaus optimistischen Annahmen sich bewahrheiten sollten, das ändert nichts an der Schlussfolgerung (Kollaps lässt sich so nicht vermeiden). Das habe ich bereits in meinem ersten Posting versucht auszudrücken. LtG untersucht nämlich nicht nur das "weiter wie bisher" Szenario, sondern u.a. - ein Szenario, in welchem praktisch unbegrenzt Ressourcen zur Verfügung stehen (Figure 36) und - darüber hinaus noch bei deren Abbau praktisch keine Emissionen entstehen (reichlich unrealistisch, Figure 37) sowie - zusätzlich noch dank technologischer Revolutionen alle anderen Emissionen sehr stark eingeschränkt werden (wiederum kaum realistisch, Figure 39). Die von Ihnen vorgeschlagenen "Lösungen" wurden also detailliert analysiert. Allen diskutierten Szenarien ist gemein, *dass sie den Kollaps nicht verhindern*! "Die Autoren von Limits to Growth nahmen noch an, industrielle Tätigkeit sei inhärent ein extraktiver Prozess und es müsse immer mehr Eisen, Chrom etc. gefördert werden um die Industrie am Laufen zu halten." Diese Aussage ist falsch, wie die obigen Beispiele zeigen.
Integrierte Produktionssysteme sollte stärker betrachtet werden, z.B. a) gemeinsamer Anbau von Zwiebel und Möhren, dann kann aber die chemische Industrie nicht mehr so viel verkaufen und es werden tendenziell mehr Arbeitskräfte benötigt, da es noch keine Maschinen gibt, die beides zusammen ernten können; das schadet dem Wirtschaftswachstum wegen geringerem Umsatz der Industrie und findet wenig Anklang in der Bevölkerung, die die Feldarbeit nicht mehr gewöhnt ist. b) Fütterung von Zuchtfischen mit Schweinekot, wie u.a. in Thailand bereits praktiziert) auch bei uns verstärkt zu realisieren. Architektonisch wären z.B. die überbauten Flächen als Produktionsersatzfläche (Urbanfarming auf den zu integrierenden Terrassen) in Neubauten selbst zu schaffen - ohne die Option Brachflächen als Ausgleichsflächen anrechnen zu lassen Der Möglichkeiten gibt es viele, ohne die Rechte der Menschen wesentlich rechtlich beschneiden zu müssen. Man sollte nur bereit sein, bestehende Regelungen betreffend Nahrungsmittelproduktion, Gebäudebau für nachhaltige, andersartige sowie ggf. auch technische Neuerungen zu öffnen, anstatt diese zu Verteufeln und alles beim Status quo zu belassen. Ich könnte noch viele weitere einfache und effiziente Lösungsansätze aufzeigen, die aber diesen Rahmen sprengen würden.
@ Martin Holzherr "Ohne fossile Rohstoffe wären wir gar nie auf 7 Milliarden Menschen angewachsen. Die Technologie - hier fossile Energien -macht also bevölkerungsmässig etwas überhaupt erst möglich. Ein guter Ersatz für Kohle, Öl und Erdgas ist deshalb frûher oder später nötig[...]" Aber genau das ist ja die Annahme die dem Plot zugrunde liegt!
Also doch alles lokal produzieren und die Importe immer mehr verringern? Mehr und mehr lokale Eigenversorgung ist aber sicher einfacher auf dem Land als in den sehr grossen Städten. Braucht man weniger Transport und hat mehr direkte Kontrolle wie Nahrungsmittel produziert (und gesund und nachhaltig) werden ohne Bodenerosion. Ein paar Lösungsansätze die das Verhältnis Ertrag/zu Einsatz optimieren, ja bitte!
Bevor man sich zu sehr restriktiven Massnahmen widmet, sollte man die Verfahren unser Ahnen (weltweit) studieren. So bauten z.B. die Atzteken im heutigen Mexiko-City Gemüse etc. auf Schilfinseln an - gedüngt mit menschlichen Ausscheidungen. Letztere werden heutzutage in vielen Gemeinden Zentraleuropas als Sondermüll verbrannt, u.a. Dank der Chemiekoktails in unseren Shampoos und Duschgels.
ok, einverstanden. Sollte man studieren und offensichtlich kennt man einiges darüber wie man aus deinem Beitrag lernen kann. Was machen wir also mit den Cityausscheidungen die leider nicht geeignet sind?
Wachstum als lohnendes Ziel, als goldenes Kalb wird uns vor allem von den Ökonomen gleich welcher Ausrichtung immer wieder emfpohlen. Man spricht von den 10 oder 20 verlorenen Jahren, wenn eine Volkswirtschaft so lange nicht mehr wächst und hält uns als Negativbeispiele Japan oder Italien vor Augen. Und tatsächlich haben die Wachstumsschwächen in diesen beiden Ländern zu hoher Verschuldung (Japan) oder/und hoher Arbeitslosigkeit (Italien) geführt. Der typische Ökonom wie ich ihn aus Ökonomieblogs kenne findet auch die 1-Kind-Politik Chinas grundfalsch, denn sie führe zur Überalterung der Bevölkerung und schliesslich wegen Mangel an aktiven Wirtschaftssubjekten (keine nachfolgende jungen Kräfte) zum wirtschaftlichen Stillstand, was in den Augen eines typischen Ökonomen fast so schlimm ist wie Pest und Cholera. Es scheint fast so, dass wir schon lange mit dem Wirtschaftswachstum hätten aufhören können, wenn das nicht solch negative Folgen hätte wie beschrieben.
Martin, Was der "typische Ökonom" "findet" spielt eigentlich keine grosse Rolle. Fragen wir bei diesen typischen Oekonomen doch mal ob die irgend etwas bezüglich der Finanzkrise, der Energiekrise, der Umweltkrise richtig vorhergesagt haben. Fragen wir vielleicht weiter, welche Aussagen haben die "Oekonomen" in den 70igern für das Jahr 2000 gemacht. Oder welche Wachstumsgedanken haben die ökonomisch inspirierten Leute um das Jahr 2000 bezüglich Oel Verbrauch (demand) heute gemacht und bei Ölpreisen zwischen 20-30 dollar/barrel. Wie viele Kernkraftwerke hätten nach den Gedanken der IEA, IAEA, WNA etc im Jahr 2011 am Netz sein sollen (vor Fukushima) und was war die Realität. etc.. Klar, war alles total falsch, weil diese Ökonomen weder simple Naturgesetze noch endliche (Energie)Ressourcen in ihre Differentialgleichungen einbauen koennen (wollen). Aber, sind wir uns einig, die reale Zahl von rund 1.5 Kindern pro Frau führt logischer Weise zu einer Überalterung der Gesellschaft und zu neuen (lösbaren!) Problemen. Kennen wir in der Schweiz und der EU sehr gut. Aber, 5 Kinder/pro Frau führen schnell zu viel Größeren und oft unlösbaren Problemen (jedenfalls für Menschen die moralische und ethische Prinzipien der Menschenrechte wie sie z.B. in der Verfassung der meisten Länder verankert sind ernst nehmen!) Was ist dann wohl die beste aller schlechten Lösungen?
Nicht die Grenzen des Wachstums sind Konsensus, sondern es wird uns vielmehr immer wieder suggeriert Wachstum und Green Economy gingen Hand in Hand. Der Vorgängerbeitrag im Zukunftsblog (https://www.ethz.ch/de/news-und-veranstaltungen/zukunftsblog/archiv/2014/11/zehn-prioritaeten-fuer-klimaschutz-und-wirtschaftsentwicklung.html ) betitelt mit "Zehn Prioritäten für Klimaschutz und Wirtschaftsentwicklung" nimmt Bezug auf den neuen Stern-Report (Nicholas Stern, Umweltökonom) «Better Growth, Better Climate». Besseres Wachstum und besseres Klima also, beides in einem, beides zusammen, wie Brüderlein und Schwesterlein. Der Bericht "Limits-to-Growth" und auch die hier verlinkte HANDY-Studie führen sehen aber im Wirtschaftswachstum eher einen Treiber von Ressourcenerschöpfung und Umweltverschmutzung. Die "Limits-to-Growth"-Denkweise führt uns eher zur Forderung nach Suffizienz. Suffizienz, als Genügsamkeit beobachten wir aber nicht einmal in den Industrieländern. In Schwellenländern wie China und Indien können sie Suffizienz mit Sicherheit nicht fordern. Chinas und Indien Repräsentaten finden es schon einen ungeheuere Bevormundung, wenn man qualitatives Wachstum anstatt quantitatives fordert und verlangt, dass sie sich mit weniger als 6% Wachstum pro Jahr zufrieden geben sollen.
Martin: "Nicht die Grenzen des Wachstums sind Konsensus, sondern es wird uns vielmehr immer wieder suggeriert Wachstum und Green Economy gingen Hand in Hand." Wer allerdings versteht, dass unsere Erde endliche Dimensionen hat, akzeptiert leicht die Grenzen des Wachstums. Aber, wie du schreibst .. es wird suggeriert eine green economy (die aber nirgendwo genau definiert wird) könnte ewig weiter wachsen. Sobald man genauer bei den Leuten nachschaut was die propagieren erkennt man ziemlich schnell die Methode aus "des Kaisers neue Kleider". Und klar, deine Beobachtungen zu China und Indien zeigen uns klar den Weg in den Collapse. Deshalb sollten wir ja gerade in der Schweiz zeigen wie es anders nachhaltig und besser gehen kann. Eine interdisziplinäre Aufgabe auf die sich Wissenschaftler gerade an der ETH und alle wissenschaftlich Interessierten freuen sollten!
Auf einem Forum einer eidgenössischen Institution sollten Massnahmen wie die Ein-Kind-Politik, die eine totalitäre Diktatur voraussetzen, nicht derart wohlwollend zur Diskussion gestellt werden. Ausserdem hat selbst China diese Regel nie absolut umgesetzt und schafft sie in Raten wieder ab. Das globale Problem ist ohnehin der Ressourcenverbrauch pro Kopf, nicht das Wachstum der Anzahl der Köpfe, die sich praktisch überall stabilisiert, wo ein gewisser Wohlstand erreicht wird. Die Idee, mann könne dieses Problem mit einem grossangelegten 'social engineering' lösen, ist bloss ideologisches Recycling aus dem letzten Jahrhundert, welches wir - zum Glück - hinter uns haben.
Herr Straumann, Wenn ich sie richtig verstehe wollen sie diese Taboo Frage/Diskussion durch Zensur beenden. Nicht gerade sehr wissenschaftlich und schon gar nicht demokratisch. Aber, immerhin könnte man von ihnen verlangen, die Aussagen nicht zu verdrehen sondern sachlich zu bleiben. Niemand, ausser Ihnen, hat hier von Zwangsmassnahmen geschrieben. Falls Sie meine Aussage bestreiten dann bitte Fakten! Hier noch mal meine Aussage: "Aber ganz einfach gerechnet: die durchschnittliche Zahl der Kinder pro Frau in China beträgt heute 1.55. Selbst nach http://www.un.org/en/development/desa/population/publications/pdf/popfacts/PopFacts_2011-2.pdfcall_made gibt es bei der low fertility Variante (1.5 Kinder pro Frau?) maximal 8 Milliarden Menschen im Jahr 2050 und 6 mrd 2100"
Zitat: "In der Wissenschaft gibt es einen breiten Konsens, dass wir in wenigen Jahrzehnten an die Grenzen des Bevölkerungswachstums und Umweltverbrauchs stossen werden". Nein, diesen Konsens gibt es nicht, nicht in der Wissenschaft und ganz sicher nicht in der Politik. Politiker von den Grünen bis zur CVP, BDP und gar FDP, aber auch Green-und Clean-Tech Überzeugte und Institute wie das Fraunhofer Institut für Solarsysteme sprechen vielmehr davon, die Technologie für eine völlige Abkehr von den fossilen Energien stehe bereit und es fehlten lediglich noch die nötigen Entscheidungen aus der Politik diesen Weg einzuschlagen. Zudem: In Europa, Japan und Russland gibt es kein Bevölkerungswachstum und die Umwelt ist hier heute besser dran als vor 30 Jahren. Gegenüber 1910 hat die Waldfläche in Europa gar um 1/3 zugenommen. Die Meinung wir stünden kurz vor dem Kollaps kommt vielmehr - immer noch - vom Club of Rome-Bericht "Limits to Growth" und von Studien wie der von Motesharrai ([6] von oben) mit dem Titel "Human and Nature Dynamics (HANDY): ...", die die Welt nach dem Räuber-Beute-Modell (Lotke-Volterra) modelliert. Die Studie ist nicht seriös ( wird hier besprochen: http://www.scilogs.de/gedankenwerkstatt/warum-die-nasa-nicht-sagt-dass-die-welt-untergeht/call_made ) . Unter anderem nimmt sie an, technologische Entwicklungen änderten nichts am weiteren Verlauf.
@Oliver Schib, 4. Dezember 2014 12:34: Ohne fossile Rohstoffe wären wir gar nie auf 7 Milliarden Menschen angewachsen. Die Technologie - hier fossile Energien -macht also bevölkerungsmässig etwas überhaupt erst möglich. Ein guter Ersatz für Kohle, Öl und Erdgas ist deshalb frûher oder später nötig und ermöglicht dann das Überleben oder sogar ein gutes Leben einer Population, die ansonsten im Overshoot wäre.
@ Martin Holzherr: "[...]Unter anderem nimmt sie an, technologische Entwicklungen änderten nichts am weiteren Verlauf." Die technologische Entwicklung wird jedoch in "The Limits to Growth" detailliert berücksichtigt (siehe z.B. Figure 37 WORLD MODEL WITH "UNLIMITED" RESOURCES hier: http://donellameadows.org/wp-content/userfiles/Limits-to-Growth-digital-scan-version.pdf)call_made. Die von Ihnen (und vielen anderen) immer wieder aufgestellt Behauptung, der Kollaps könnte durch technologische Entwicklung verhindert werden, ist widerlegt!
@michael Dittmar 3. Dezember 2014 10:16 Ich stimme folgendem zu: "Brenn- und Nutzholz durch Holzimporte und fossile Energiequellen ersetzen ist trivial, und trotzdem Nutzwälder im Gegensatz zu Naturwälder sind gewachsen. Aber deshalb ist Umwelt noch lange nicht besser dran." Die Umwelt Europas ist aus Menschensicht (aber nicht aus Natursicht) besser dran als vor 30 oder 50 Jahren, denn die Gewässer sind weniger verschmutzt, es gibt kaum noch unkontrollierte Deponien und das Ruhrgebiet ist heute nicht mehr von Kohlestaub und Smog erfüllt, sondern von betriebsamen Menschen, die zu den Städten pendeln. Was den Wald angeht: Die gehegten und gepflegten Waldflächen haben zugenommen. Gleichzeitig sind weitere Tier- und Pflanzenarten ausgestorben und die zugebauten Wälder sind genau das: zugebaut nach menschlichen Freizeit- und Nutzungsvorstellungen. Die Environmental-Kuznets-Curve sagt ja, dass ab einem gewissen Wohlstand die Umweltschäden, die durch das vorherige Industriewachstum enstanden sind, rückgängig gemacht werden. Das stimmt schon. Allerdings führt das nicht zu einer eigentlichen Renaturierung sondern zu einer den menschlichen Nutzungs- und Freizeitbedürfnissen besser angepassten Kulturlandschaft. Diese Entwicklung wird wohl weltweit zu beobachten sein. Es werden deshalb auch weiterhin Tiere und Pflanzen aussterben und nur gerade Tiere und Pflanzen übrigbleiben, die mit dem Menschen "kompatibel" sind und die in ihren Raumansprüchen relativ bescheiden sind.
"Nein, diesen Konsens gibt es nicht, nicht in der Wissenschaft und ganz sicher nicht in der Politik." man hätte die Aussage genauer formulieren können. Konsens ist sicher kein wissenschaftliches Wort, denken wir an Rom 400 Jahre zurück. Aber, wie ist es zum Beispiel mit diesem schon lange vergessenen 1992 World Scientists' Warning to Humanity Scientist Statement World Scientists' Warning to Humanity (1992) http://www.ucsusa.org/about/1992-world-scientists.html#.VH7PsL7rPKAcall_made Praktisch jeder der Rang und Namen hat, hat unterschrieben. (ob einige der Leute die ich persönlich kenne auch gelesen haben was sie unterschrieben haben, ist eine interessante Frage). Auch der UNO report GEO5 spricht eine deutliche Sprache. http://www.unep.org/geo/geo5.aspcall_made Auch deine pauschale Aussage: "In Europa, Japan und Russland gibt es kein Bevölkerungswachstum und die Umwelt ist hier heute besser dran als vor 30 Jahren... " ist so auch nicht richtig. Brenn- und Nutzholz durch Holzimporte und fossile Energiequellen ersetzen ist trivial, und trotzdem Nutzwälder im Gegensatz zu Naturwälder sind gewachsen. Aber deshalb ist Umwelt noch lange nicht besser dran. Nehmen wir die Schweiz als Beispiel (1% Bevoelkerungswachstum pro Jahr) und Wald Wachstum, die letzten Zahlen sprechen eher von 20% Wachstum und Biodiversity zum Beispiel) in der EU http://www.eea.europa.eu/highlights/populations-of-grassland-butterflies-declinecall_made
"Es wird deshalb ein fundamentaler Umbau der Gesellschaft nötig sein, der mit nichts vergleichbar ist, das wir kennen." Ganz meine Meinung und entsprechend müssen wir uns mit diesem Problem, gerade auch an der ETH, interdisziplinär auseinandersetzen und die physikalischen,geologischen und biologischen Randbedingungen verstehen und erklären. Aber bezüglich: "Ein-Kind-pro-Familie-Politik umsetzen, wie sie China testete, sagen Bevölkerungswachstums-Modelle trotzdem bis zu 10 Milliarden Menschen bis 2100 voraus [5]." Leider ist der Artikel [Ref] nicht verlinkt. Aber ganz einfach gerechnet: die durchschnittliche Zahl der Kinder pro Frau in China beträgt heute 1.55. Selbst nach http://www.un.org/en/development/desa/population/publications/pdf/popfacts/PopFacts_2011-2.pdfcall_made gibt es bei der low fertility Variante (1.5 Kinder pro Frau?) maximal 8 Milliarden Menschen im Jahr 2050 und 6 mrd 2100 Aber, wie im Artikel steht sind wir bis jetzt praktisch perfekt auf dem Standard Run aus dem limits of growth Buch. Zum Beispiel hier: http://ingienous.com/wp-content/uploads/2011/12/graph-of-major-trends-1900-to-2100-paul-chefurka.jpgcall_made dort sieht man die Trends und den Standard run sehr schön. Entsprechend ergäbe sich ein Bevölkerungsmaximum von rund 8 Milliarden und danach (durch unschöne Mother Nature Massnahmen ein Rückgang). Aber klar, selbst eine konsequente 1-Kind Politik reicht nicht aus, ist aber einer von vielen Anfängen!
Zustimmung: Die Fertilitätsraten heute haben auf die Bevölkerung im Jahre 2100 einen grossen Einfluss, wie die 3 Hauptvarianten in Figur 1 im UNEP-Report "World Population Prospects The 2012 Revision" zeigen, denn die niedrigste Variante zeigt 5 Milliarden Erdbewohner, die high-Variante dagegen 15 Milliarden Erdbewohner im Jahre 2100 an (http://esa.un.org/unpd/wpp/Documentation/pdf/WPP2012_HIGHLIGHTS.pdf ). Es macht schon einen Unterschied ob es im Jahr 2100 5 oder 15 Milliarden Menschen gibt, wenn auch das Wirtschaftswachstum - von jetzt jährlich etwa 3 Prozent pro Jahr - eine noch grössere Rolle spielt, wenn es um den Einfluss auf die Umwelt geht. Die gesamte Zunahme kommt aus der Subsahara und aus Asien. Nigeria allein wird in der mittleren Variante im Jahr 2050 450 Millionen Einwohner haben und 900 Millionen Einwohner im Jahr 2100, also fast doppelt so viel wie die EU-27 heute. Mit 450 Millionen Einwohner im Jahr 2050 hätte Nigeria mehr Einwohner als die USA auf einer Fläche die genau 1/10 der Fläche der USA ausmacht.
Die Idee einer globalen Steuerung von Bevölkerung und Ressourcenverbrauch wie sie hier scheinbar ausgebreitet wird ist noch vermessener als die Ecopop-Idee, nur gerade die Schweiz diesbezüglich zu "stabilisieren". Dabei genügt es bestehende Trends auszunutzen um in eine nachhaltigere Zukunft zu gelangen. Diese Mega-Trends sind 1) Mit zunehmendem Wohlstand, zunehmender Säkularisierung und Urbanisierung werden weniger Kinder geboren. Europa+ Japan schrumpfen schon. 2) Die Urbanisierung hält unvermindert an und schon 2050 werden 70% der Weltbevölkerung in Städten leben. Wenn alle Städte der Welt zu nachhaltigen Städten gemacht werden, welche möglichst viel rezyklieren, dann sinkt damit der Ressourcenbedarf und die Verschmutzung. Wenn die Urbanisierung nicht zu flächenfressenden Monstern von Städten führt sondern zu Städten mit hoher Bevölkerungsdichte im Kern und einem Ring von Versorgungsstrukturen um die Stadt herum, dann wird weniger Land gebraucht als vor der Urbanisierung und es braucht weniger Materialinput, weil dieser aus der Umgebung der Städte kommt oder/und rezykliert wird. So sehe ich den Weg in die nachhaltige Zukunft. Dieser Weg nutzt den schon vorhanden Urbanisierungstrend und die Bevölkerungsschrumpfungstendenz von wohlhabenden Gesellschaften aus und macht ein Positivum daraus.
Martin, also du kennst offensichtlich keine nachhaltige Stadt. Aber: "Übrigens sind die Pro-Kopf-CO2-Emissionen in New York deutlich niedriger als in den ländlichen USA und der NewYorker Benzinverbrauch pro Kopf ist sogar sehr viel tiefer als der eines Texaners oder eines Bewohners des ländlichen Kansas." wirklich? Aber nur wenn man die graue Energie New Yorks und anderer Städte nicht zählt. Auch die Commuter die hundert km jeden Tag in die Stadt fahren sind eigentlich Stadtmenschen. Und ja, was ist eigentlich der Platzbedarf um einen Menschen zu ernähren? (2000m2 in etwa) Und wieviel Wohnbedarf hat ein Reicher Schweizer in der Stadt? 100m2 pro Kopf ist schon extrem selten! Der Platzbedarf wird durch die Landwirtschaft bestimmt, deine Ideen machen wenig Sinn!
Michael, du gehst (wie auch Christoph Küffer) davon aus, dass es eine fundamentalen Umbau der Gesellschaft braucht. Einen solchen fundamentalen Umbau kann es aber erst nach einer Katastrophe geben - und vielleicht nicht einmal dann, denn dann will man wieder aufbauen was zerstört wurde. Nein, die einzige Chance auf eine nachhaltige Zukunft besteht darin, bestehende Trends aufzunehmen und sie ins Positive zu wenden. Der Trend zur Urbanisierung wird weitergehen und dein Vorschlag doch wieder zu Dörferstrukturen zurückzukehren ist der Vorschlag zu einer Gegenwelt, der nur wenige folgen werden. Die bald schon 10 Milliarden Menschen auf Dörfer verteilen geht allein schon deshalb nicht, weil die Menschen ja aus den Dörfern wegziehen - wegziehen in die Städte. Dort wo sie hinziehen dort muss man einen nachhaltige Welt schaffen, nicht dort wovon sie wegziehen. Übrigens sind die Pro-Kopf-CO2-Emissionen in New York deutlich niedriger als in den ländlichen USA und der NewYorker Benzinverbrauch pro Kopf ist sogar sehr viel tiefer als der eines Texaners oder eines Bewohners des ländlichen Kansas.
Martin, sage mal eine einzige Stadt mit mehr als einer Million Einwohner die heute nachhaltig ist. Falls du eine einzige findest mit mehr als 100 000 Einwohnern wäre auch schon interessant. Im Gegensatz dazu, isolierte Dörferstrukturen waren ueber tausende von Jahren nachhaltig.