Wälder statt Kathedralen
Notre Dame soll nicht wiederaufgebaut werden, sagen Guillaume Habert und Alice Hertzog. In Zeiten des Klimawandels und in der gegenwärtigen religiösen Landschaft habe der Wiederaufbau keine Priorität.

Ein schwerer Geruch von alter Eiche lag in der Luft, als Notre Dame brannte, wurde berichtet. Ein grosser Unterschied zum Gestank von brennendem Isolationsmaterial und Kunststoff bei vielen Wohnungsbränden in der französischen Hauptstadt. Das jahrhundertealte Holzdach der Kathedrale fing schnell Feuer, und die Flammen drohten zeitweilig, das berühmte Pariser Denkmal ganz zu zerstören.

Im Morgengrauen lagen grosse Teile des Gebäudes in Glut und Asche, die Glockentürme waren noch intakt, und ein Plan für den Wiederaufbau lag bereits auf dem Tisch. Der französische Präsident versprach, die Kathedrale «innerhalb von fünf Jahren noch schöner als zuvor» wiederaufzubauen1. Es wurde ein Architekturwettbewerb für die Turmspitze ausgeschrieben und ein Fonds mit Hunderten von Millionen Euro, die von französischen Tycoons und internationalen Gebern stammen, zügig eingerichtet.
Die Kirchenbänke haben sich geleert
Doch wenn ein siebenhundert Jahre altes Gebäude in Flammen aufgeht, ist das ein Anlass, über das architektonische Erbe nachzudenken. Die Glasmalereien, das Zinkdach, die Turmspitze aus dem 19. Jahrhundert mit 200 Tonnen Blei sind zwar gut dokumentiert, und die finanziellen Mittel für den Wiederaufbau wären vorhanden. Aber gibt es dafür einen Bedarf? Ist es nachhaltig und wünschenswert, die mächtige Holzkonstruktion von Notre Dame wiederaufzubauen? Bevor wir den uns an den Wiederaufbau machen, sollten wir darüber nachdenken, wie wir den Bedürfnissen künftiger Generationen am besten gerecht werden.
Notre Dame wurde für die Ewigkeit gebaut, um Gott zu feiern, Heilige zu ehren und Könige zu krönen. Aber Frankreich, das einst als «fille aînée» der römisch-katholischen Kirche galt, ist heute eine durch und durch weltliche Republik, die homosexuelle Ehen zulässt und eine immer kleiner werdende Zahl praktizierender Katholiken hat. Angesichts des demographischen Entwicklung der katholischen Kirche wäre es sinnvoller, die heutigen Kathedralen nicht in Frankreich, sondern in Lateinamerika zu bauen, wo derzeit über 80 Prozent der Bevölkerung katholisch sind, oder in Subsahara-Afrika, wo es die höchste Wachstumsprognose für den Katholizismus gibt2.
Nachteilige Klimaauswirkungen
Ebenso wie die religiöse Landschaft haben sich auch die ökologischen Notwendigkeiten drastisch gewandelt. Diese müssen wir bei aktuellen städtebaulichen Entscheiden berücksichtigen. Der jüngste IPCC-Bericht warnt, dass wir unsere Bauweisen innerhalb der nächsten zehn Jahre massiv verändern müssen. Damit es uns gelingt, eine klimaneutrale Gesellschaft aufzubauen, müssen wir uns von vielen Ansätzen, die uns die industrielle Revolution in den vergangenen 200 Jahren gebracht hat, verabschieden. Und wenn wir an das Vermächtnis denken, das wir zukünftigen Generationen hinterlassen wollen, könnte die Lösung für einmal auch darin bestehen, nicht für die Ewigkeit zu bauen, sondern gar nicht zu bauen, die für den Bau notwendigen Metalle nicht zu verbrauchen und die entsprechenden Bäume im Wald stehen zu lassen.
Die Decke von Notre-Dame wurde von riesigen Holzbalken aus dem 13. Jahrhundert zusammengehalten. Für den Bau wurden damals über 21 Hektar Wald abgeholzt. Am Morgen nach dem Brand kündigte die französische Versicherungsgesellschaft Groupama an, 1300 hundertjährige Eichen aus ihrem Privatwald in der Normandie für den Wiederaufbau des Dachstuhls zu spenden.
Holzbau scheint zwar auf den ersten Blick eine nachhaltige und klimafreundliche Lösung zu sein, bei der Kohlenstoff in Gebäuden gespeichert wird. Dies ist aber nur dann klimarelevant, wenn die Lebensdauer des Holzes im Gebäude länger ist als sie in der Natur wäre. Wenn wir heute hundertjährige Eichen fällen, die in der Natur noch lange überlebt hätten, ist dies nicht der Fall. Selbst wenn man den gerodeten Eichenwald wieder aufforstet, bräuchten die Jungbäume Jahrzehnte, bis sie nennenswerte Mengen CO2 aus der Luft aufnehmen und speichern. Beim Trocknen und Schneiden dieses Holzes wird viel eher CO2 in die Atmosphäre freigesetzt.
Auch bei der Herstellung von Zink und Blei, falls dies für den Wiederaufbau von Dach und Turm verwendet wird, kommt es zu grossen Kohlenstoffemissionen. Ausserdem ist die mit Wasserverschmutzung verbunden und diese Rohstoffe werden weiter verknappt. Ist dies das Vermächtnis, das wir hinterlassen wollen?
«Was wollen wir als Vermächtnis hinterlassen? Kathedralen oder ein Klima und ein funktionierendes Ökosystem, das es den nachfolgenden Generationen ermöglicht aufzublühen?»Guillaume Habert und Alice Hertzog
In ihrer Rede vor dem Europäischen Parlament am Tag nach dem Brand forderte die Klimaaktivistin Greta Thunberg die Parlamentarier auf, das langfristige Denken der frühen Kathedralenbauer auf den Klimawandel anzuwenden. "Es braucht eine weitreichende Vision, Mut und eine heftige Entschlossenheit, um jetzt zu handeln und die Grundlagen zu legen, auch wenn wir vielleicht noch nicht im Detail wissen, wie wir die Decke gestalten sollen," sagte sie3.
Der Wiederaufbau von Notre Dame würde bedeuten, das kulturelle Erbe vergangener Generationen zu replizieren. Aber was wollen wir als Vermächtnis für die nächsten siebenhundert Jahre hinterlassen? Kathedralen oder ein Klima und ein funktionierendes Ökosystem, das es den nachfolgenden Generationen ermöglicht aufzublühen?
Architekten, Designer und Ingenieure sind gut gerüstet, um elegante Lösungen für die Zukunft von Notre Dame entwickeln, die weder den Klimawandel verstärken noch die Lebensqualität zukünftiger Generationen gefährden. Wenn weniger mehr ist, dann ist nichts vielleicht alles4. Die nächsten zehn Jahre sind entscheidend, um das Leben auf der Erde für die kommenden Jahrhunderte zu gestalten. Unnötige Emissionen zu vermeiden, ist der geeignetste Beitrag für unsere Zukunft. Denn wer weiss, in siebenhundert Jahren könnten unsere Wälder die Kathedralen sein der dann auf der Erde lebenden Menschen.
Referenzen
1 externe Seite Emmanuel Macron: Ansprache an die Nation, 16. April 2019, Elysée
2 externe Seite Vatican - Catholic Church statistics 2018, Agenzia Fides
3 externe Seite Greta Thunberg: Rede vor dem EU-Parlament. 17. April 2019
4 externe Seite Re-materializing Construction, 22 propositions. LafargeHolcim Foundation
Kommentare
Es sind zusätzliche Kommentare in der englischen Fassung dieses Beitrags verfügbar. Alle Kommentare anzeigen
Die Beiträge der Diskussion gehen meiner Meinung nach nicht auf Ihre Kernaussage ein, die ich voll unterstütze: "Es ist heute nicht mehr nachhaltig, mit Holz zu bauen". Im Zuge der fortschreitenden Desertifizierung und brennenden Wälder und ungeziefer in Europa gehen gehen Kohlestoff speichernde Bäume hektarweise verloren. Die Verwendung von Kohlenstoff eines Baumes ist abhängig von seiner Blattoberfläche. Das bedeutet z.B., daß das Fällen eines 60 Jahre alten Baumes mit seinen vielen Blättern nur CO2-neutral wäre wenn man im Gegenzug zigtausende Sämlinge mit der gleichen Blattoberfläche aufzöge. Dies ist aber nicht der Fall. Aus diesem Grund gibt es auch keine klimaneutralen Holzhäuser, bzw. deren Bau ist nicht nachhaltig, (das gleiche gilt für Heizen mit Holz): Alle dieses zertört das, was wir derzeit am nötigsten zur CO2 Reduktion brauchen: ausgewachsene Bäume. Nachhaltigkeit, also der Erhalt einer Art, ist nicht das Ersetzen eines Baumes durch einen anderen, wie es die Menschen so gern sehen. Die große Anzahl der Früchte/Samen, die von einem Baum während einer Saison produziert werden, bestimmt die Nachhaltigkeit seiner Art, und das sind abertausende.
Danke, Ich bin zum Teil einverstanden mit Ihrem Argument. Meiner Meinung nach sollen wir mit Pflanzen bauen, die rasch wachsen. Stroh/Schilfe, usw. Diese Pflanzen brauchen nur ein Jahr um zu wachsen und dann können sie während 50 Jahren im Gebäude bleiben. Es geht in die gleiche Richtung wie Ihr Argument bzgl. Blätter. Es ist ein Kurz-Carbon-Zyklus. (https://doi.org/10.1016/j.buildenv.2017.12.006)
Vom Herzen Danke für diesen Artickel. Ich bin völlig ihrer Meinung, was allerdings nicht einfach ausgesprochen werden kann an manchen Mittagstischen. Sehr schön auf den Punkt gebracht und mutig dies auszusprechen, im heutigen Diskursklima.
Ihre Stellungnahme erinnert mich an den Wakkerpreis. Dieser Preis im Bereich Baukultur wird jährlich durch den Schweizer Heimatschutz (SHS) verliehenen. Mit diesem Preis werden Schweizer Gemeinden unter anderem für eine gelungene Verknüpfung von alter Bausubstanz (oft denkmalwürdig aber in marodem Zustand) und neuer Bausubstanz (moderne Materialien und Architektur) gewürdigt. - http://www.heimatschutz.ch/wakkerpreiscall_made - https://de.wikipedia.org/wiki/Wakkerpreiscall_made
Die Debatte zum Artikel finde ich sehr spannend - den Artikel nicht 'ETH-würdig'. Die vertretene Meinung oder Ängste sind wohl nicht populistisch und auch kein "himulingge Seich"!- das ist wohl eher populistisch (leider). Doch die vorauseilenden Befürchtungen dienen der Sache nicht und wirkt schal - wo bleibt denn das konkrete Engagement der Verfasser?
Besten Dank für die überzeugende Antwort! Und so nebenbei, wenn man sich einige (wohl weniger ernst gemeinte) Vorschläge sich so anschaut - von einem swimming pool oder Parkfläche auf dem Dach - und die französische Nationalversammlung die Pläne der Regierung für einen raschen Wiederaufbau am 11. Mai bereits verabschiedet, wird damit nur klar, dass man sich dazu nun wirklich erst mal umfassende Gedanken machen muss.
We are happy that you find the debate interesting. Our point here is exactly that: we should think more carefully before simply rebuilding. Making concrete commitments before understanding the full implications can quickly lead us down the wrong path. Society is changing, the climate is too and this has nothing to do with raising fear. We will have to adapt, change our behaviours, reconsider things we have always taken for granted. The earlier we comes to terms with this, and the more practice we have, the less scary it will be.
Wird schnell vergessenen sein.
Als ob man jahrhundertealtes Kulturerbe und ökologische Notwendigkeiten gegeneinander ausspielen müsste. Und das von ETH-Spezialisten für ... ja, tatsächlich ... Nachhaltigkeit.
Eine provokative Meinung, die aber angesichts der enormen Dringlichkeit des klimapolitischen Handelns bedenkenswert ist. Wir müssen jetzt alle unsere Kräfte darauf konzentrieren, die Katastrophe zu verhindern. Wenn die Reichen dieser Welt in dieser Sache ebenso freigiebig wären wie bei Notre-Dame, so käme der Ausbau erneuerbarer Energien viel rascher voran.
Als Energiefachmann setze ich mich seit Jahrzehnten (und angesichts meiner 65 Jahre ist das keine Übertreibung) für eine "100% erneuerbare" Energieversorgung und somit für einen konsequeten Klimaschutz ein. Aber NIE, NIE, NIE würde ich Klimaschutz und kulturelle Werte gegeneinander ausspielen. Mehr noch: In der Regel akzeptiere ich auch andere Meinungen; nicht aber in diesem Fall.
Wir sind daran, in ein neues Zeitalter einzutreten, und das kann beängstigend sein. Die Zeit nach einer Katastrophe kann jedoch der Moment sein, in dem wir akzeptieren können, Dinge loszulassen. Roy Scranton schrieb in seinem Buch «Learning to die in the Anthropocene»: Der Klimawandel wird unsere Lebensweise und unsere Umwelt radikal verändern. Wir müssen überdenken, was für uns als Gesellschaft wichtig ist. Kulturelle Werte sind per Definition immateriell, sind also nicht auf Gebäude angewiesen, um zu überleben und übertragen werden zu können. Wir argumentieren hier mit einer Reihe von kulturellen Werten, welche die Bedürfnisse künftiger Generationen berücksichtigen.
Danke für diese mutige Stellungnahme! Ich kann sie gut nachvollziehen, auch wenn das politisch heikel ist. Der französische Nationalstolz wird höhere Priorität haben; dafür wird einfacher Geld gefunden als für die Bekämpfung des Klimawandels...
Vielen Dank für Ihren Kommentar. Die politischen Interessen sind angesichts der starken Symbolik hoch. Das Tolle an nationalen Symbolen ist, dass sich ihre Bedeutung verändern kann und dass sie in einem sich entwickelnden Kontext neue Bedeutungen annehmen können. In Anbetracht des Klimawandels besteht die Herausforderung darin, sich den Nationalstolz zunutze zu machen, anstatt sich von ihm in eine nicht-nachhaltige Zukunft drängen zu lassen. Jared Diamond argumentierte in seinem Buch «Kollaps»: Gesellschaften, die nicht in der Lage sind, sich angesichts der ökologischen Herausforderungen zu verändern, werden scheitern.
Ja, eigentlich recht logisch und es wäre toll, wenn für den Klimawandel auch so viel Geld fliessen würde.
Das Argument, das Sie ansprechen, geht deutlich über den Rahmen dieses Blog-Beitrags hinaus und liegt etwas ausserhalb der Spur. Aber ja, einfach gesagt, Mildern und Anpassen an den Klimawandel kostet Geld. Und wenn wir jetzt nicht investieren, werden die Kosten des Klimawandels in Zukunft noch höher sein und sich nachteilig auf viele unserer Wirtschaftszweige auswirken, da wir 5% unseres BIP einsparen. Sie sagen, dass Milliarden in den Klimaschutz investiert werden. Diese Investitionen sind keine individuellen und philanthropischen Investitionen, wie das Geld, das über Nacht für den Wiederaufbau von Notre Dame gesammelt wurde. Dies ist der Punkt, den wir angesprochen haben. Es kostet uns, unser Produktionssystem zu verändern und den Verbrauch fossiler Brennstoffe zu beseitigen. Aber wer sollte dann für diesen Übergang bezahlen? Wer hat von der Nutzung fossiler Brennstoffe profitiert oder wer nicht? In der Tat gibt es internationale Mechanismen, bei denen Industrieländer den Schwellenländern helfen, Technologien zu überspringen und sich zu entwickeln, ohne fossile Brennstoffe zu verwenden. Wir können die genauen Zahlen diskutieren, aber die Grundidee ist, dass die Industrieländer für die Emissionen der Vergangenheit verantwortlich sind. Wir sind dafür verantwortlich, die Entwicklungsländer bei diesem Übergang zu unterstützen.
Es fliessen Milliarden in den Klimaschutz. Ich berufe mich auf einen Artikel von Florian Schwab in der Weltwoche 12-2019: "Letztes Jahr wurden weltweit mehr als 500 Milliarden Franken für die Bekämpfung des Klimawandels aufgewendet. Findige Ablasshändler, windige Berater und professionelle Klimakonferenz-Reisende machen prächtige Geschäfte auf dem Buckel der Steuerzahler. Jahr für Jahr wiederholt sich das Ritual: Anfang Dezember fliegen über 20 000 Politiker, Klimadiplomaten, Wissenschaftler, NGO- und Interessenvertreter an eine grosse Uno-Klimakonferenz. 2015 war es Paris, 2016 Marrakesch, 2017 Bonn und letztes Jahr Kattowitz. Niemand kennt die exakten Kosten dieser Zusammenkünfte. Schätzungen gehen aber davon aus, dass eine ordentliche Klimakonferenz gegen 100 Millionen US-Dollar verschlingt. Kostspielig ist nicht nur die Austragung. Das Teuerste sind die Beschlüsse. So haben sich an der Klimakonferenz in Paris die entwickelten Länder verpflichtet, ab 2020 jedes Jahr mindestens 100 Milliarden US-Dollar für die Bekämpfung des Klimawandels in Entwicklungsländern einzusetzen. Diese Mittel werden zusätzlich zur regulären Entwicklungshilfe mobilisiert. Für die Schweiz bedeutet dies: Je nach Berechnungsmethode muss sie jedes Jahr zusätzlich zwischen 450 und 600 Millionen Franken an Entwicklungsländer überweisen." Vielleicht können die Klimawissenschaftler der ETH diese Zahlen widerlegen.
Danke. Zu solchen Baudenkmälern haben wir eine emotionale Beziehung. Daher ist es einfach, nach einer solchen Katastrophe das Gefühl einer Notlage zu vermitteln und zu unverzüglichem Handeln aufzurufen. Obwohl der Klimawandel unser Leben und das Leben unserer Kinder verändern und vielleicht das Überleben unserer Zivilisation beeinflussen wird, weckt er leider kein solches Gefühl einer Notlage, welches zu dieser Grosszügigkeit führt.
Meine Reaktion auf diesen Artikel auf Berndeutsch: "E himulingge Seich"! Vom Klimawandel wird in 800 Jahren niemand mehr sprechen, weil wir uns ihm längst angepasst haben werden. Notre Dame werden wir als architektonisches Kunstwerk und Kulturerbe aber immer noch bewundern, selbst wenn es dann vielleicht keine christliche Religion mehr gibt.
Der Parthenon wurde 400 v. Chr. erbaut und 1687 zerstört, aber nie wieder aufgebaut. Die gotische Kathedrale in Coventry wurde im Zweiten Weltkrieg bombardiert und nie wieder aufgebaut. Denkmalpflege ist nicht gleichzusetzen mit Rekonstruktion. Wenn wir über das Kulturerbe sprechen (was wir im Blogpost nicht getan haben), dann wäre heutige Good Practice, nicht zu rekonstruieren, sondern im Gegenteil sehr deutlich zu machen, was vorher da war und was neu hinzugefügt wurde (mit dem einzigen Ziel, das Bestehende zu schützen).
Ich finde diese Meinung voll daneben! Die Erhaltung kulturellen Erbes, gerade auch in Gestalt von Baudenkmälern, hat nach meiner Meinung hohe Priorität! (Man könnte dies auch pointierter ausdrücken.)
Ja, man könnte es tatsächliche pointierter ausdrücken: Was nützt der Menschheit eine hunderte Jahre alte wiederaufgebaute Kathedrale, wenn deren Besucher und Betrachter aufgrund vernachlässigter Klimamassnahmen ausgestorben sind?
Das kulturelle Erbe können wir auch erhalten, ohne dass wir Baudenkmäler nach einer Katastrophe wie dieser in ihren ursprünglichen Zustand versetzen. Stonehenge, der Parthenon in Athen und die Kathedrale in Coventry sind schöne Beispiele dafür, wie kulturelles Erbe, ohne es wieder aufzubauen immer noch die Werte früherer Generationen vermittelt. Temporäre Denkmäler wie der Eiffelturm können zu festen Bestandteilen einer Stadt werden, und andere, mit denen wir immer gerechnet haben, könnten eines Tages verschwinden. Das ist Teil der urbanen Transformation.